Eine nachhaltige und effiziente Website-Performance gestalten

Hannah Becker

Die digitale Transformation sorgt für den flächendeckenden Ausbau digitaler Lösungen, wie auch das Internet. So schön so gut. Durch diese Ausbreitung nahmen laut Statista 2020 rund 59 % der Weltbevölkerung an den Vorzügen der Internetnutzung teil, für das Jahr 2021 wurde ein Anteil von bis zu 62 % geschätzt.

Unsere Gesellschaft verlangt immer schnellere digitale Erlebnisse und immer mehr Informationen in kürzester Zeit. TikTok Videos, Instagram Reels und YouTube Shorts zeigen diesen Trend, in dem sie ihre Videolänge auf 60 Sekunden begrenzen. Umso wichtiger ist der Ausbau einer guten Website-Performance und schnellem Pagespeed. Doch zu welchem Preis?

Digitale Medien tragen heutzutage mit einem Anteil zwischen 1,8 % und 3,9 % zum globalen CO₂-Ausstoß bei. Zum Vergleich: Der als Klimasünder betitelte Luftverkehr trägt mit 2,8 % zum globalen CO₂-Ausstoß bei. Aufgrund der Digitalisierung wird auch in Zukunft mehr auf digitale Medien zurückgegriffen. Ohne eine Änderung, wie beispielsweise klimaneutrale Webseiten oder nachhaltige Online-Shops, würde der globale CO₂-Ausstoß somit weiter enorm steigen.

Nachhaltige Webseite gestalten

Woraus ergibt sich der CO2-Ausstoß digitaler Medien?

Die Zusammensetzung des CO₂-Ausstoßes digitaler Medien erweist sich als kompliziert und nicht klar definierbar, da die verschiedenen beeinflussenden Quellen oft unklar sind. Ebenfalls ist unklar, wo die Grenzen zur Bemessung gezogen werden. Im Allgemeinen zählt hier aber vor allem die Dauer und Effizienz der Nutzung digitaler Medien. Hierbei hat auch die Art des verwendeten Stroms einen bedeutenden Einfluss auf den resultierenden CO₂-Fußabdruck. Die gesamte Infrastruktur der verwendeten Rechenzentren als auch die Hardware, die für die Produktion, Publikation und Nutzung digitaler Medien verwendet wird, benötigen Ressourcen. Die Schöpfung dieser Ressourcen und deren Verarbeitung und Transport stellt sich oft als großer Produktionsfaktor von CO₂-Emissionen heraus. Nicht zu vergessen ist der Stromverbrauch von Büros, in denen mit digitalen Medien gearbeitet wird oder diese erstellt werden. Zusätzlich fallen hier auch die CO₂-Emissionen für die Produktion und den Transport von Büromaterialien an.

Es gestaltet sich also schwer, klare Grenzen zu ziehen und transparent zu erkennen, welche Aspekte alle zum CO₂-Fußabdruck der digitalen Medien führen. Nur eines ist klar: Der Abdruck ist groß und wird tendenziell weiterwachsen.

Die Nachhaltigkeit der eigenen Website oder Online-Shops kann man mit Tools wie Ecograder oder Website Carbon Calculator prüfen. Ecograder bietet einen groben Überblick über die Situation der Webseite und bietet Tipps und Ratschläge zur Verbesserung der Pagespeeds an. Anhand der grafischen Darstellung des Website Carbon Calculator wird der Stand der eigenen Webseite in Bezug zu Nachhaltigkeit deutlich.

Wie gestalte ich meine Website oder Online-Shop nachhaltig und verbessere parallel meine Performance?

Wie bereits erwähnt, verlangen Konsumenten digitaler Medien eine schnelle, flüssige Nutzung. So kann die Interaktion der Nutzer mit einer Webseite oder einem Online-Shop mobil verdoppelt werden, sobald die Performance von 3 Sekunden auf 1 Sekunde abgesenkt wird. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass beim Webdesign Nachhaltigkeit und Performance wichtig sind. Wir geben Ihnen hier 7 Tipps:

1. Schnellere Performance und Pagespeeds

Eine Performance Optimierung beginnt beim Webdesign. Ihre Webseiten-Geschwindigkeit können Sie mit den Google Page Insights messen. Der „First Contentful Paint“, also wann das erste Element auf der noch leeren Browserseite geladen wird, sollte im Optimalfall nicht länger als 2 Sekunden laden. Auch der „Largest Contentful Paint“, also wann das größte Inhaltselement der Seite geladen wird, ist ein interessanter Messwert dafür, wie schnell eine Webseite ist. Binden Sie beispielsweise ein Video in Dauerschleife als größtes Inhaltselement ein, verlangsamt dies Ihre Webseite enorm. Versuchen Sie deshalb eher auf Standbilder als Videos zurückzugreifen. Wenn Sie doch ein Video einbringen möchten, versehen Sie es mit einer Steuerungsmöglichkeit wie dem Play-Button. Dann wird es nur geladen, wenn es auch wirklich angesehen wird. Ein weiterer Wert, der für die Messung und Verbesserung der Webseiten-Geschwindigkeit verwendet werden kann, ist die „Total Blocking Time“. Diese misst die Zeit, die eine Webseite benötigt, um mit anderen Servern zu kommunizieren. Um diese Zeit zu minimieren, sollte am besten nur eine Weiterleitung zu einem Server stattfinden. Dies erfolgt optimalerweise über APIs, also Schnittstellen zwischen Programmen, die Aktionen auch ohne ein aufwändiges Frontend ausführen können und somit energiesparend wirken.

Weitere Tools für die Onpage-Optimierung sind Chrome Developer Tools und Google Lighthouse. Ein Tool, welches nicht aus dem Hause Google stammt ist Webpagetest. Es bietet eine tiefere, detailliertere Analyse als die Konkurrenz von Google. Somit ist es besonders für Entwickler geeignet, die tiefergreifende Testings vornehmen können, als sie es mit den eher allgemeineren Google Tools können.

Generell gilt, je größer die zu vermittelten Daten sind, desto mehr muss die Seite mit ihren Servern kommunizieren, wird langsamer und verbraucht somit insgesamt mehr Strom.

2. Komprimieren von Inhalten

Die Größe von Bilddateien kann die Ladezeit einer Webseite ebenfalls stark beeinflussen. Versuchen Sie deshalb Bilder auf Ihrer Webseite vor dem Einbinden zu komprimieren. Hierzu gibt es diverse Programme, wie zum Beispiel das kostenlose Tool iloveimg oder auch Tinypng. Mit diesen Tools können Bilder unkompliziert um 30 bis 80 % verkleiner werden - ohne sichtbaren Qualitätsverlust.

Ein weiterer wichtiger Inhalt von Webseiten ist die Schriftart. Sie ist oft Teil der Corporate Identity und somit Teil des Designs einer Webseite. Auch Schriften können komprimiert werden und bis zu 70 % der Ladezeit reduzieren. Verwenden Sie hierfür Webfont Generator wie Font Squirrel.

Entscheidend ist aber auch der Code, auf dem eine Webseite aufgebaut ist. Oft ist solch ein Code länger und komplexer als nötig und kann mithilfe von Tools wie dem CodeKit ebenfalls komprimiert und somit optimiert werden.

Das Komprimieren von Inhalten ist mit der Hilfe meist kostenfreier Tools leicht und schnell möglich. Es ist also eine einfache Möglichkeit, eine Webseite schneller und nachhaltiger zu gestalten.

3. Caching ist Pflicht

Caching ermöglicht das temporäre Speichern von Daten und Inhalten. Im Optimalfall sollte sowohl client- als auch serverseitiges Caching genutzt werden. Durch das Caching kann die Datenlast reduziert und die Geschwindigkeit der Website erhöht werden.

Caching kann als Alternative zur Komprimierung auch für eine effizientere Nutzung von Schriftarten auf einer Webseite verwendet werden. So muss die Schrift nur einmal „gemerkt“ werden und verbraucht im Endeffekt weniger Ressourcen.

4. Blockieren unnötiger Inhalte

Der Traffic einer Webseite kann bis zu 50 % durch Bots entstehen. Das können SEO Bots wie AHrefs oder SEMRush sein, aber auch RSS Reader Apps. Bots der Konkurrenz können ebenfalls Teil dieses Traffics sein, in dem sie Ihre Webseite auslesen.

Vermeiden Sie diese Bots, die nicht nur aus Umweltsicht, sondern auch aus Analysesicht unnötig und störend sind. Mit Tools wie Cloudflare oder Malcare können Sie Bots einfach blockieren.

5. Programmiersprache wählen

Selbst die für die Erstellung und Bearbeitung einer Webseite verwendete Programmiersprache beeinflusst den resultierenden CO₂-Ausstoß. PHP, Javascript und JSS sind beispielsweise im Vergleich klimafreundlichere Sprachen der beliebtesten Programmiersprachen.

6. Sauberer grüner Strom

Besonders wichtig ist die Versorgung der Server und Clouds für digitale Medien. Sie sollten hauptsächlich oder im Optimalfall gänzlich mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Ein Beispiel ist Ökostrom aus Wasserkraft, der regional produziert und TÜV-geprüft ist. Anbieter wie Hetzner, Ionos und Strato betreiben ihre Server bereits mit nachhaltigem Strom.

Der Bezug von grünem Strom führt zu einer klimaneutralen Webseite.

7. Kompensation

Sollten die Maßnahmen aus den vorigen Punkten nicht vertretbar oder umsetzbar sein, kann auch auf anderen Wegen CO₂ gespart werden. Wenn man beispielsweise bei der Anschaffung von Hardware auf die nachhaltige Produktion dieser achtet, das Büro selbst mit Ökostrom versorgt, nachhaltige Büromaterialien besorgt und vieles mehr. Ganz nach der Devise: Besser einen kleinen Schritt in die richtige Richtung als keiner.

Was kann jeder Einzelne von uns tun, um die eigene Internetnutzung nachhaltiger zu gestalten?

Der globale CO₂-Ausstoß digitaler Medien setzt sich aus den CO₂-Fußabdrücken jedes einzelnen zusammen. Somit kann auch jeder einzelne seinen Teil dazu beitragen, diesen gesamten Fußabdruck zu verkleinern. Doch wie?

Eine Sensibilisierung des Themas sowie das alltägliche Voraugenführen kann schon einiges bewirken. Versuchen Sie nicht unnötig Plattformen wie Netflix oder auch Spotify zu streamen und greifen Sie eventuell auf analoge Mittel um, um sich Ihre Zeit zu vertreiben. Versuchen Sie Ihre Daten extern statt intern auf Clouds zu speichern. Diese müssen nämlich stets mit externen Servern kommunizieren und verbrauchen somit mehr Strom, als das Speichern auf externen Datenträgern wie USB-Sticks oder Festplatten.

Generell sollten Sie darauf achten, Ihren Speicherplatz regelmäßig von unnötigem Ballast zu befreien. Dies gilt insbesondere für Newsletter und Mails, die sich schnell ansammeln und Speicherplatz besetzen.


Es liegt in unserer Hand

In Zeiten eines menschengemachten Klimawandels bauen wir eine Säule weiter aus, die einen großen Anteil am weltweiten CO₂-Fußabdruck ausmacht. Das klingt sehr widersprüchlich, muss es jedoch nicht sein.

Wir als Digitalagentur sind der festen Überzeugung, dass digitale Lösungen die Zukunft sind und unser Leben vereinfachen. Gleichzeitig liegt uns unsere Umwelt am Herzen. Deshalb sind wir davon überzeugt, dass wir alle eine nachhaltige digitale Transformation gewährleisten können und werden.

Über den Autor
Hannah Becker
Hannah Becker
ist Werkstudentin bei LifeStyle Webconsulting und ist für die Content-Produktion des Blogs und der Social-Media-Kanäle zuständig.